Dieser beliebte Supermarkt-Klassiker enthält 50 geheime Substanzen: So erkennen Sie die Tricks der Industrie

Zwieback gilt vielen als das unschuldigste aller Backwaren: knusprig, mild im Geschmack und seit Generationen ein Klassiker bei Magen-Darm-Beschwerden oder als erste feste Nahrung für Kleinkinder. Doch ein genauer Blick auf die Zutatenliste offenbart eine Realität, die mit der Vorstellung vom simplen, bekömmlichen Naturprodukt wenig gemein hat. Zwischen den Zeilen der Verpackungstexte verbergen sich Substanzen, deren Zweck und Auswirkungen den meisten Konsumenten völlig unbekannt sind.

Die Illusion vom einfachen Gebäck

Theoretisch benötigt man für traditionellen Zwieback lediglich Mehl, Hefe, Zucker, Fett und eventuell Eier sowie Salz. Das Besondere an diesem Dauergebäck entsteht durch das zweifache Backen – daher auch der Name. In der industriellen Fertigung sieht die Zutatenliste jedoch häufig ganz anders aus. Statt einfacher Butter finden sich dort Kondensmilch, Volleipulver, Pflanzenöle wie Sonnenblumenöl, Geschmacksverstärker und verschiedene Emulgatoren. Das Problem beginnt bereits bei der Deklaration. Nicht alle verwendeten Substanzen müssen namentlich aufgeführt werden. Sammelbegriffe wie Backmittel, Aromen oder pflanzliche Öle verschleiern oft komplexe Stoffgemische, deren genaue Zusammensetzung für Außenstehende nicht nachvollziehbar ist.

Emulgatoren und versteckte Inhaltsstoffe

Zu den häufigsten Akteuren in industriell hergestelltem Zwieback gehören Emulgatoren. Diese Stoffe verbinden Fett und Wasser miteinander – zwei Komponenten, die sich normalerweise abstoßen. In der Backwarenproduktion ermöglichen sie eine geschmeidigere Teigkonsistenz und ein größeres Volumen des Endprodukts. Besonders verbreitet ist Sojalecithin, das als Emulgator eingesetzt wird. Die Herkunft bleibt oft im Dunkeln. Die Ausgangsstoffe können pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sein – eine Information, die für Vegetarier oder Menschen mit religiösen Speisevorschriften durchaus relevant wäre. Kritisch wird die Verwendung von Lecithinen betrachtet, insbesondere wenn sie aus gentechnisch verändertem Soja stammen. Zwar besteht eine Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Organismen, doch hochgereinigte Lecithine fallen häufig durch dieses Raster, da sie selbst keine DNA-Spuren mehr enthalten.

Aromen: Mehr als nur Geschmack

Die Bezeichnung Aroma auf der Verpackung klingt harmlos, verbirgt aber häufig komplexe Stoffgemische aus Dutzenden Einzelkomponenten. Unterschieden wird zwischen natürlichen, naturidentischen und künstlichen Aromen – eine Kategorisierung, die mehr über den Herstellungsprozess als über die tatsächliche Zusammensetzung aussagt. Ein natürliches Butteraroma etwa kann aus über fünfzig verschiedenen Einzelsubstanzen bestehen, die zwar aus natürlichen Rohstoffen gewonnen wurden, aber in dieser Konzentration und Kombination niemals in Butter vorkommen würden. Die genaue Rezeptur ist Geschäftsgeheimnis und muss nicht offengelegt werden. Besonders bei als gesund oder für Kinder geeignet beworbenen Produkten wirkt diese Intransparenz fragwürdig. Eltern, die ihren Kindern vermeintlich naturbelassenen Zwieback geben, ahnen oft nicht, welche aromastoffliche Komplexität sie ihrem Nachwuchs zumuten.

Palmöl und seine Derivate

Pflanzliche Fette sind in nahezu jedem industriell gefertigten Zwieback enthalten. Oft handelt es sich um Palmöl oder dessen Fraktionen – Substanzen, die aus ökologischer und gesundheitlicher Sicht kontrovers diskutiert werden. Durch chemische Modifikation entstehen daraus verschiedene Derivate, die unter unterschiedlichsten Bezeichnungen auftauchen können. Begriffe wie pflanzliches Fett, gehärtetes Fett oder pflanzliche Öle verschleiern die tatsächliche Herkunft. Selbst bei der Angabe Palm lässt sich nicht erkennen, ob es sich um nachhaltig produziertes oder um ökologisch bedenkliches Öl handelt. Palmkernfett, Palmstearin oder fraktioniertes Palmöl sind weitere Varianten, die den Durchblick erschweren.

Acrylamid: Das unsichtbare Risiko beim Backen

Ein Aspekt, der bei der Diskussion um Zwieback häufig übersehen wird, ist die Bildung von Acrylamid. Diese Substanz entsteht bei Temperaturen über 120 Grad Celsius durch die sogenannte Maillard-Reaktion zwischen Aminosäuren und Zucker. Gerade beim zweifachen Backen, das Zwieback seinen charakteristischen Knusper verleiht, sind die Bedingungen für die Acrylamid-Bildung optimal. Untersuchungen der österreichischen Lebensmittelprüfung zwischen 2007 und 2015 ergaben für Zwieback einen durchschnittlichen Acrylamid-Gehalt von 250 Mikrogramm pro Kilogramm. Experten empfehlen daher einen maßvollen Konsum. Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass hohe Konzentrationen dieser Substanz mit gesundheitlichen Bedenken verbunden sein könnten, weshalb das Thema Acrylamid im Zwieback ernst genommen werden sollte.

Die Nährwerte: Weniger unschuldig als gedacht

Das Image vom leichten, bekömmlichen Zwieback täuscht über die tatsächlichen Nährwerte hinweg. Mit etwa 370 bis 400 Kilokalorien pro 100 Gramm liegt die Energiedichte deutlich höher als bei normalem Weizenbrot, das nur etwa 240 Kilokalorien mitbringt. Der Grund dafür ist einfach: Durch das doppelte Backen wird dem Gebäck Feuchtigkeit entzogen, wodurch sich die Nährstoffe konzentrieren. Der Zuckergehalt variiert je nach Hersteller zwischen 7 und 14 Gramm pro 100 Gramm, der Fettgehalt liegt bei 4 bis 8 Gramm. Wer Zwieback als leichten Snack betrachtet und mehrere Scheiben verzehrt, nimmt unbewusst erhebliche Mengen an Energie und Zucker zu sich. Diese Tatsache steht im Widerspruch zum gesundheitsbewussten Image, das dem Produkt oft zugeschrieben wird.

Was Verbraucher tun können

Absolute Transparenz bei verarbeiteten Lebensmitteln zu erreichen, ist schwierig. Dennoch gibt es Strategien, um zumindest die sichtbaren Zusatzstoffe zu identifizieren und bewusste Kaufentscheidungen zu treffen. Eine lange Zutatenliste ist meist ein Warnsignal. Je mehr Komponenten aufgeführt sind, desto stärker wurde das Produkt technologisch bearbeitet. E-Nummern lassen sich mittels Smartphone-Apps binnen Sekunden entschlüsseln – eine Mühe, die sich lohnt. Bio-Produkte unterliegen strengeren Richtlinien bezüglich erlaubter Zusatzstoffe. Zwieback mit Bio-Zertifikat enthält nachweislich weniger Zusatzstoffe als konventioneller Zwieback. Die EU-Öko-Verordnung lässt nur einen Bruchteil der in konventionellen Produkten zulässigen Substanzen zu. Allerdings sind auch hier Verarbeitungshilfsstoffe nicht immer deklarationspflichtig. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann Zwieback auch selbst herstellen. Der Aufwand ist überschaubar, und die Kontrolle über alle Zutaten ist vollständig. Gerade für Menschen mit Unverträglichkeiten oder dem Wunsch nach maximaler Transparenz ist dies eine sinnvolle Alternative.

Die Verantwortung der Hersteller

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Lebensmittelkennzeichnung sind in Europa grundsätzlich streng. Dennoch bleiben Schlupflöcher, die eine vollständige Transparenz verhindern. Hersteller nutzen den gesetzlich zulässigen Spielraum häufig bis zur Grenze aus – aus wirtschaftlichen Gründen nachvollziehbar, aus Verbrauchersicht problematisch. Freiwillige Selbstverpflichtungen zu umfassenderer Deklaration bleiben die Ausnahme. Solange der Markt nicht durch gezieltes Verbraucherverhalten in diese Richtung gedrängt wird, fehlt der Anreiz für Veränderung. Hier liegt die Macht letztlich bei den Konsumenten, die durch ihr Kaufverhalten Signale setzen können. Zwieback mag auf den ersten Blick ein unscheinbares Produkt sein. Doch gerade die vermeintlich simplen Lebensmittel offenbaren bei genauerer Betrachtung die Komplexität moderner Lebensmittelproduktion. Zwischen versteckten Emulgatoren, nicht deklarationspflichtigen Verarbeitungshilfsstoffen und überraschend hohen Nährwerten zeigt sich ein Bild, das vom traditionellen Image weit entfernt ist. Wer verstehen möchte, was wirklich im Einkaufskorb landet, kommt um eine kritische Auseinandersetzung mit Zutatenlisten nicht herum.

Hast du jemals die Zutatenliste von Zwieback wirklich gelesen?
Nie gemacht und schockiert
Ja aber ignoriert es
Kaufe nur Bio-Zwieback
Mache ihn selbst
Esse keinen Zwieback mehr

Schreibe einen Kommentar