Wer Google Maps regelmäßig nutzt, verlässt sich auf präzise Navigation und Verkehrsinformationen. Doch die wenigsten wissen, dass der Dienst im Hintergrund ein detailliertes Protokoll jeder Bewegung anlegen kann. Diese Zeitachse, von Google als Timeline bezeichnet, zeichnet auf, wo ihr wart, wann, wie lange und mit welchem Verkehrsmittel ihr unterwegs wart. Der Google Maps Standortverlauf klingt zunächst praktisch, kann aber auch ernsthafte Fragen zum Datenschutz aufwerfen.
Warum der Standortverlauf mehr speichert als gedacht
Beim ersten Einrichten von Google Maps oder einem neuen Android-Smartphone wird man durch verschiedene Berechtigungen geleitet. Oft klickt man hier schnell durch, um endlich loszulegen. Genau in diesem Moment aktivieren manche Nutzer unwissentlich den Standortverlauf. Google unterscheidet dabei zwischen zwei verschiedenen Einstellungen: der Standortberechtigung für Apps und dem Standortverlauf als separate Funktion.
Während die Standortberechtigung notwendig ist, damit Maps überhaupt funktioniert, geht der Standortverlauf deutlich weiter. Er erstellt eine Datenbank besuchter Orte – vom morgendlichen Bäcker über den Arbeitsplatz bis zur Adresse eurer besten Freundin. Seit Mai 2025 hat Google hier allerdings eine bedeutende Änderung vorgenommen: Die Daten werden nicht mehr auf Googles Servern gespeichert, sondern direkt auf eurem Gerät. Standardmäßig werden sie nach drei Monaten automatisch gelöscht, wobei ihr diese Frist auf 18 oder 36 Monate verlängern könnt.
Die Timeline offenbart mehr als erwartet
Ein Blick in die eigene Timeline kann durchaus überraschend sein. Google zeigt nicht nur punktgenau jeden besuchten Ort, sondern erstellt auch Statistiken: Wie viele Kilometer seid ihr diesen Monat gelaufen? Welche Städte habt ihr besucht? Welche Restaurants waren eure Favoriten? Die künstliche Intelligenz interpretiert eure Bewegungsmuster und zieht daraus Schlüsse über eure Gewohnheiten.
Besonders wichtig zu wissen: Durch die lokale Speicherung auf dem Gerät sind diese Daten nun besser geschützt. Wenn jemand Zugriff auf euer Google-Konto erhält, kann er die Timeline nicht mehr einsehen – sie liegt ja nur auf eurem Smartphone. Auch bei behördlichen Anfragen kann Google die Daten nicht mehr herausgeben, da das Unternehmen selbst keinen Zugriff darauf hat. Ein optionales verschlüsseltes Cloud-Backup ist zwar möglich, aber selbst Google kann dieses nicht entschlüsseln.
Der häufigste Fehler: Standort ist nicht gleich Standortverlauf
Hier liegt das Kernproblem, das die meisten Nutzer übersehen: Selbst wenn ihr in den Smartphone-Einstellungen den Standort deaktiviert, bleibt der Standortverlauf oft aktiv. Das liegt daran, dass Google diese Funktionen an unterschiedlichen Stellen verwaltet. Viele denken, sie hätten die Ortung ausgeschaltet, während im Hintergrund munter weiter protokolliert wird.
Ein weiterer Trugschluss: Die Annahme, dass das Löschen der Maps-App auch die gespeicherten Daten entfernt. Die Timeline bleibt auf dem Gerät erhalten, selbst wenn ihr die App deinstalliert. Nur durch gezieltes Eingreifen in die Kontoeinstellungen lässt sich diese Funktion wirklich stoppen.
So prüft ihr den Status eures Standortverlaufs
Um herauszufinden, ob Google eure Bewegungen aufzeichnet, öffnet die Google Maps App und tippt auf euer Profilbild oben rechts. Wählt dann Deine Zeitachse aus. Wenn ihr hier eine detaillierte Übersicht eurer besuchten Orte seht, ist der Standortverlauf aktiv. Alternativ könnt ihr auch direkt die Google-Kontoeinstellungen aufrufen und zu den Aktivitätseinstellungen navigieren.
Dort findet ihr den Punkt Standortverlauf. Hier seht ihr nicht nur, ob die Funktion aktiv ist, sondern könnt auch einsehen, welche Geräte Daten aufzeichnen. Viele sind überrascht, wenn sie feststellen, dass nicht nur das Smartphone, sondern auch Tablets oder andere verknüpfte Geräte fleißig Standortdaten sammeln. Die Übersicht zeigt präzise, welches Gerät wann zuletzt Informationen gespeichert hat.
Deaktivierung: So stoppt ihr die Aufzeichnung
Die Deaktivierung erfolgt in mehreren Schritten. In der Google Maps App tippt ihr erneut auf euer Profilbild, dann auf Einstellungen und weiter zu Persönliche Inhalte. Dort findet ihr die Option Standorteinstellungen, die euch direkt zu den relevanten Kontoeinstellungen führt.

Scrollt zum Abschnitt Standortverlauf und deaktiviert den Schieberegler. Google wird euch mit einer Warnung konfrontieren, dass dadurch bestimmte Funktionen eingeschränkt werden. Bestätigt die Deaktivierung trotzdem, wenn euch eure Privatsphäre wichtiger ist. Die Änderung wird sofort wirksam und gilt für alle mit eurem Konto verknüpften Geräte.
Bereits gespeicherte Daten löschen
Die Deaktivierung stoppt nur zukünftige Aufzeichnungen – die bereits auf eurem Gerät gespeicherten Daten bleiben erhalten. Um diese zu entfernen, öffnet die Timeline in Google Maps. Tippt auf die drei Punkte oben rechts und wählt Einstellungen und Datenschutz. Hier findet ihr die Option Gesamten Standortverlauf löschen.
Wer nicht alles auf einmal löschen möchte, kann auch gezielt einzelne Tage, Zeiträume oder bestimmte sensible Orte entfernen. Besonders praktisch ist die Funktion zur automatischen Löschung: Ihr könnt zwischen drei, 18 oder 36 Monaten wählen. Die Standardeinstellung liegt bei drei Monaten, was einen guten Kompromiss zwischen Funktionalität und Datenschutz darstellt.
Welche Funktionen leiden unter der Deaktivierung?
Die Frage ist berechtigt: Verliert Maps seine Nützlichkeit ohne Standortverlauf? Die Antwort lautet klar nein. Die grundlegende Navigation funktioniert weiterhin einwandfrei. Ihr könnt Routen planen, Verkehrsinformationen abrufen und Orte suchen – all das bleibt unberührt.
Einschränkungen gibt es bei personalisierten Empfehlungen. Google kann dann keine Vorschläge mehr basierend auf euren häufig besuchten Orten machen. Auch die automatische Erkennung eures Zuhauses oder Arbeitsplatzes entfällt. Die praktische Funktion, die zeigt, wann ihr ein Restaurant besucht habt oder wie viele Kilometer ihr letzte Woche zurückgelegt habt, verschwindet ebenfalls. Für die meisten Nutzer sind das jedoch verschmerzbare Verluste angesichts des gewonnenen Datenschutzes.
Alternative: Bewusster Umgang statt Komplettverzicht
Nicht jeder möchte komplett auf den Standortverlauf verzichten. Manche schätzen die persönliche Statistik über ihre Reisen oder nutzen die Timeline als digitales Tagebuch. In diesem Fall empfiehlt sich ein bewusster Mittelweg: Die automatische Löschung nach drei Monaten ist bereits als Standard eingestellt. Überprüft regelmäßig, welche Daten gespeichert werden, und löscht gezielt sensible Besuche.
Ihr könnt auch bestimmte Orte aus der Timeline entfernen, etwa wenn ihr bei Ärzten, Beratungsstellen oder anderen vertraulichen Adressen wart. Die Inkognito-Funktion in Google Maps bietet zudem die Möglichkeit, temporär ohne Aufzeichnung zu navigieren. Aktiviert sie über euer Profilbild, indem ihr Inkognitomodus aktivieren wählt. In diesem Modus werden weder Suchanfragen noch Routen oder besuchte Orte gespeichert.
Was Google mit den Daten macht
Google betont, dass Standortdaten zur Verbesserung der Dienste und für personalisierte Werbung genutzt werden. Die Timeline selbst ist nur für den Nutzer auf seinem Gerät sichtbar. Dennoch fließen aggregierte und anonymisierte Bewegungsdaten in verschiedene Google-Dienste ein – von der Vorhersage von Stoßzeiten in Geschäften bis zur Analyse von Verkehrsströmen.
Die Umstellung auf lokale Speicherung im Mai 2025 war eine der bedeutendsten Datenschutzverbesserungen bei Google Maps. Während das Unternehmen früher auf behördliche Anfragen reagieren musste, ist dies heute nicht mehr möglich. Google hat schlicht keinen Zugriff mehr auf die lokal gespeicherten Daten und kann sie auch auf Gerichtsbeschluss nicht herausgeben.
Moderne Smartphones bieten unglaubliche Möglichkeiten, doch mit jeder Funktion geben wir auch ein Stück Privatsphäre auf. Anders als bei vielen anderen Diensten habt ihr bei Google Maps die volle Kontrolle. Durch die lokale Speicherung und die standardmäßige Löschung nach drei Monaten ist der Dienst heute deutlich datenschutzfreundlicher als noch vor wenigen Jahren. Prüft regelmäßig eure Einstellungen und entscheidet bewusst, welche Daten ihr teilen möchtet und welche nicht. Die Technologie sollte euch dienen, nicht umgekehrt.
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