Wenn der Januar mit seinen kurzen Tagen und grauen Winterhimmeln auf die Stimmung drückt, braucht es manchmal nur ein Wochenende an einem unerwarteten Ort, um die Lebensgeister wieder zu wecken. Novi Sad, die zweitgrößte Stadt Serbiens und Kulturhauptstadt Europas 2022, bietet genau diese Mischung aus urbanem Flair, authentischer Balkan-Atmosphäre und überraschend günstigen Preisen, die ein Wochenende mit Freunden unvergesslich machen. Während andere europäische Städte im Januar überlaufen oder überteuert sind, entfaltet die Stadt an der Donau gerade jetzt ihren ganz eigenen Charme – ohne Touristenmassen, dafür mit einer pulsierenden Kaffeehauskultur und einem Nachtleben, das selbst im tiefsten Winter nicht zur Ruhe kommt.
Warum Novi Sad im Januar die perfekte Wahl ist
Der Januar verwandelt Novi Sad in eine Stadt für Entdecker, die das Authentische suchen. Die Temperaturen bewegen sich meist um den Gefrierpunkt, gelegentlich liegt sogar Schnee auf den Dächern der prächtigen habsburgischen Fassaden – ein Anblick, der die Stadt in eine nostalgische Kulisse taucht. Genau diese winterliche Atmosphäre macht den Reiz aus: Dampfende Kaffeehäuser öffnen ihre Türen, kleine Lokale servieren herzhafte Wintergerichte, und die Einheimischen zeigen sich besonders gastfreundlich gegenüber jenen, die ihre Stadt in der stillen Jahreszeit besuchen.
Für eine Gruppe von Freunden bedeutet das vor allem eines: mehr Stadt für weniger Geld. Die Übernachtungspreise fallen im Januar auf ihr Jahrestief, Restaurants sind nicht überfüllt, und die wenigen Besucher teilen sich die Sehenswürdigkeiten, ohne sich gegenseitig auf die Füße zu treten. Die kompakte Größe der Stadt macht sie ideal für ein Wochenende – alles Wichtige lässt sich zu Fuß erkunden, und dennoch gibt es genug zu entdecken, um drei Tage prall zu füllen.
Die Festung Petrovaradin: Herzstück mit Panoramablick
Kein Besuch in Novi Sad ohne den Aufstieg zur Festung Petrovaradin, die majestätisch über der Donau thront. Diese massive Anlage aus dem 18. Jahrhundert wird auch „Gibraltar an der Donau“ genannt und bietet nicht nur einen atemberaubenden Blick über die Stadt und den Fluss, sondern auch ein Labyrinth aus unterirdischen Gängen, die insgesamt 16 Kilometer lang sein sollen. Der Eintritt zu den meisten Bereichen der Festung ist kostenlos, für die unterirdischen Tunnel werden etwa 3 bis 4 Euro verlangt.
Im Januar hat die verschneite oder nebelverhangene Festung eine mystische Aura. Plant den Besuch am späten Nachmittag, wenn die Wintersonne die Stadt in warmes Licht taucht. In den Kasematten haben sich Künstlerateliers eingenistet, die oft spontan ihre Türen öffnen – ein authentischer Einblick in die kreative Szene der Stadt, der nichts kostet außer etwas Neugier und einem freundlichen Lächeln.
Durch die Straßen der Altstadt schlendern
Die Fußgängerzone rund um die Zmaj Jovina Straße und den Freiheitsplatz bildet das pulsierende Herz von Novi Sad. Hier reihen sich Gebäude aus der österreichisch-ungarischen Ära aneinander, ihre Fassaden erzählen von einer kosmopolitischen Vergangenheit. Das Rathaus, die katholische Marienkirche und das serbisch-orthodoxe Gotteshaus liegen nur wenige Schritte voneinander entfernt – ein architektonisches Zeugnis der kulturellen Vielfalt der Vojvodina.
Im Januar entfaltet sich hier das wahre Leben der Stadt. Während anderswo die Touristen dominieren, flanieren hier Einheimische in dicken Mäntel gehüllt von einem Café zum nächsten. Die Kaffeehauskultur ist in Serbien legendär, und nirgendwo zeigt sich das deutlicher als in Novi Sad. Ein Kaffee kostet selten mehr als 1,50 Euro, und niemand wird euch drängen aufzubrechen, auch wenn ihr zwei Stunden über einem einzigen Cappuccino verbringt.
Kulinarische Entdeckungen für kleines Budget
Serbische Küche ist herzhaft, fleischlastig und perfekt für kalte Wintertage. Eine Gruppe von Freunden sollte unbedingt die traditionellen Grillspezialitäten probieren: Ćevapčići, Pljeskavica oder Karađorđeva šnicla füllen den Magen, ohne die Reisekasse zu belasten. In den einfachen Grillrestaurants der Stadt bekommt ihr eine üppige Portion mit Beilagen für 5 bis 8 Euro pro Person.
Für das authentische Erlebnis lohnt sich ein Besuch auf dem städtischen Markt in der Nähe der Altstadt. Hier verkaufen Bauern aus der Umgebung frisches Obst, Gemüse, eingelegtes Gemüse und hausgemachte Käsesorten. Der perfekte Ort, um Proviant für ein improvisiertes Picknick am Donauufer zu besorgen – auch wenn es im Januar eher ein kurzes Vergnügen sein wird. Die Preise sind erstaunlich niedrig: Ein Kilogramm frische Paprika kostet etwa 1,50 Euro, handgemachter Käse etwa 4 bis 5 Euro.

Abends verwandelt sich die Stadt in ein Paradies für Nachtschwärmer. Die Splavovi, schwimmende Clubs und Bars am Donauufer, haben auch im Winter geöffnet und sind meist beheizt. Ein Bier kostet hier zwischen 2 und 3 Euro, Cocktails um die 5 Euro. Die Atmosphäre ist entspannt und freundlich, und es ist nicht ungewöhnlich, dass Fremde miteinander ins Gespräch kommen.
Fortbewegung: Alles in Laufweite
Einer der größten Vorteile von Novi Sad ist die überschaubare Größe. Vom Bahnhof in die Altstadt sind es etwa 15 Gehminuten, zur Festung weitere 20 Minuten. Wer dennoch öffentliche Verkehrsmittel nutzen möchte: Eine Einzelfahrt mit dem Bus kostet etwa 0,60 Euro, ein Tagesticket um die 1,50 Euro. Taxis sind extrem günstig im Vergleich zu westeuropäischen Standards – eine Fahrt quer durch die Stadt kostet selten mehr als 4 bis 5 Euro.
Für Ausflüge in die Umgebung, etwa zu den malerischen Dörfern der Fruška Gora oder zum Nationalpark, lohnt sich die Miete eines Autos. Die Preise beginnen bei etwa 25 Euro pro Tag, aufgeteilt auf mehrere Freunde wird das zum Schnäppchen. Alternativ verkehren Regionalbusse zu Preisen von 2 bis 4 Euro pro Strecke.
Übernachten ohne Luxus, aber mit Charme
Im Januar findet ihr in Novi Sad Unterkünfte zu Preisen, die in anderen europäischen Städten undenkbar wären. Hostels mit sauberen Mehrbettzimmern kosten zwischen 8 und 12 Euro pro Nacht und Person. Viele liegen zentral und bieten Gemeinschaftsküchen – ideal, um gemeinsam zu kochen und Geld zu sparen.
Wer etwas mehr Privatsphäre möchte, findet Apartments für die ganze Gruppe ab etwa 40 bis 60 Euro pro Nacht. Diese Option lohnt sich besonders, da ihr so eure eigene kleine Basis habt und nicht auf Frühstückszeiten oder Hausregeln achten müsst. Die Wohnungen liegen oft in Wohnvierteln, was einen authentischen Einblick in den Alltag der Stadt ermöglicht.
Geheimtipps für den Januar
Das Donauufer bei der Fußgängerbrücke bietet im Winter eine surreale Stimmung, besonders wenn Nebel über dem Wasser liegt. Hier treffen sich Einheimische zum Joggen oder für einen Spaziergang – ein perfekter Ort, um die Ruhe zu genießen, bevor ihr euch wieder ins städtische Treiben stürzt.
Die Dunavska Straße, parallel zur Donau gelegen, beherbergt alternative Bars und kleine Galerien, die oft kostenlose Ausstellungen zeigen. Hier findet ihr das junge, kreative Novi Sad abseits der touristischen Pfade.
Ein Spaziergang durch das jüdische Viertel mit seiner beeindruckenden Synagoge lohnt sich ebenfalls. Das Gebäude kann meist von außen bewundert werden und erzählt von der reichen multiethnischen Geschichte der Stadt.
Praktische Hinweise für euer Wochenende
Die offizielle Währung ist der Serbische Dinar, wobei 1 Euro etwa 117 Dinar entspricht. Geldautomaten sind überall verfügbar, und die meisten Restaurants und größeren Geschäfte akzeptieren Karten. Dennoch solltet ihr immer etwas Bargeld dabeihaben, besonders für Märkte und kleine Lokale.
Januar bedeutet Winterkleidung: Temperaturen zwischen -5 und +5 Grad sind normal, gelegentlich kann es schneien. Packt warme Jacken, festes Schuhwerk und Schals ein. Die Stadt ist kompakt, aber ihr werdet viel zu Fuß unterwegs sein.
Die meisten jungen Serben sprechen Englisch, und die Atmosphäre ist durchweg freundlich und hilfsbereit. Novi Sad hat sich als Studentenstadt einen Namen gemacht, was sich in der offenen, internationalen Atmosphäre widerspiegelt.
Ein Wochenende in Novi Sad im Januar ist mehr als nur eine günstige Alternative zu überlaufenen Metropolen. Es ist eine Einladung, eine Stadt in ihrer authentischsten Form zu erleben – ohne Hochsaison-Hektik, dafür mit echter Gastfreundschaft, kultureller Tiefe und Preisen, die es erlauben, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: gemeinsame Erlebnisse mit Freunden in einer Stadt, die noch als echter Geheimtipp gilt.
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